Gott hat den Menschen nach seinem Vorbild erschaffen - und ihm ist dabei ein Fehler unterlaufen. Er kam nämlich auf die bescheuerte Idee, das den Menschen wissen zu lassen. Dem Menschen reicht das nicht, er will mehr. Er will nicht nur Gott ähnlich sein, er will Gott spielen, göttlich sein.
Ich denke, das ist der Pudels Kern, warum wir Menschen alle so viele Probleme miteinander haben. Besorgt hören wir, wenn eine Eisbärenmama ihre eigenen Kinder frisst oder sich die Männchen in einem Wolfsrudel gegenseitig totbeißen, weil eben nur einer der Rudelsführer sein kann - bei solchen Nachrichten halten wir Kindern die Ohren zu und sind selbst schockiert.
Aber wir sind ja nicht besser.
Wir sind sogar viel schlimmer.
Wir sehen täglich Menschen und alle sind sie gottähnlich. Das ist schrecklich, weil welchen Effekt hat es auf den einzelnen gottähnlich zu sein? Gar keinen, da es ja nichts besonderes ist, weil jeder es hat. Das fängt im kleinen an, das Iphone, das Auto, jeder hat irgendwann eins uns dann ist es nichts Besonderes mehr. Man kann hochmütig Menschen, die keins haben bemitleiden und sich freuen, dass man es ja so viel besser hat, aber die Gottähnlichkeit ist so quälend, weil jeder sie hat. Jeder Mensch.
Was war eines von Gottes größten Werken? Die Welt erschaffen? Das ist heute einfach. Jeder erschafft sich seine eigene kleine Insel, seine eigene kleine Realität, seine kleine Welt. Das ist also nichts mehr was erreicht werden möchte. Aber Menschen erschaffen, das ist doch etwas viel tolleres. Nein, nicht Kinder zeugen, das Ergebnis kann man so schlecht kontrollieren - richtig Menschen schaffen, so wie man sie haben möchte, mit all den Eigenschaften, die man gern hätte.
Und es wäre auch nicht schlecht, wenn sie uns dann anbeten.
Wie oft hört man von seinen Mitmenschen "Du musst dich ändern"? Täglich. Man hat das Bedürfnis danach, von anderen akzeptiert zu werden und zwar so, wie man ist. Aber selbst kann man andere kaum so akzeptieren, wie sie sind. Besonders in Partnerschaften oder Freundschaften hört man solche Dinge öfter denn je. Warum? Weil man sich ein Idealbild macht, das hat auch schon max Frisch gesagt. Man macht sich ein Bild von einem Menschen, und liebt dieses Bild. Wenn die Inkarnation des Bildes vom Bild abweicht, dann kann man das nicht akzeptieren, man möchte den Menschen ja in gewisser Weise trotzdem lieben. Also versucht man mit aller Gewalt, den Menschen zu ändern, in die Form pressen, in der man ihn gerne hätte,droht mit Trennung, wenn er seine Macken nicht ändert, erzählt Schauermärchen von Herzinfarkten wenn einem der Partner etwas zu viel Umfang bekommt, sagt "Ich bin so enttäuscht von dir" oder "Vielleicht passen wir doch nicht zusammen", nur damit sich dieser Mensch endlich fügt und so wird, wie das Bild von ihm, das wir lieben. Wir haben ein Idealbild von einem Menschen und wollen einen Menschen nach diesem Bild schaffen , egal ob das Bild nur in Details von der wahren Person abweicht, große Unterschiede bestehen oder man in Realität noch gar keinen solchen Menschen gefunden hat. Damit wir uns fühlen können wie Gott, weil wir dann etwas erschaffen haben, was nur uns gehört.
Montag, 4. Januar 2010
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